Die Geschichte der Hawaiianischen Applikationen © Ute Glück

Vor Beginn des 18.Jahrhundert fanden Missionare die ersten hawaiianischen Quilts.

Hawaiianische Quilt bestechen nicht nur durch ihre auffallend schönen Muster, sondern auch durch ihre hohe handwerkliche Qualität.

Beides zusammen entsteht durch den Geist (mana) und die Hand des Quilters/der Quilterin. Dazu sorgen Hawaiis mildes Klima und die ruhige und geruhsame Atmosphäre der Insel dafür, daß man sich dort dem Applizieren und Quilten gemächlich und äußerst sorgsam hingeben konnte. Äußerst fein durchgeführte Applikationen und gleichsam qualitativ hochwertiges Quilting können leicht viele Monate, fast ununterbrochenes, Arbeiten bedeuten.

Dies spiegelt sich in den wunderschönen Quilts wieder, denn man war nie gezwungen einen Quilt herzustellen, um in kalten Wintermonaten warme Nächte sicherzustellen.

Die hawaiianischen Frauen waren in der Stoffherstellung schon erfahren. Sie stellten nur zum eigenen Gebrauch Bettwäsche und Kleidung her.Die Stoffe wurden nur gefärbt und in einer Art "Stempeldruck" mit den uns heute bekannten hawaiianischen Motiven ausgestattet.

Es wurde nicht genäht, sondern nur gefaltet und "sich in Stoff eingeschlagen".

Die Stoffe, die recht grob waren, zeigten daß es sich um eine andere, alte Baumwollpflanzenart handelte, wie die, die es heute gibt.

Erst durch den Walfang und die dann immer häufiger ankommenden Handelsschiffe lernte man auf Hawaii  feine, gesponnene Stoffe kennen, deren Herstellung und Färbung die Hawaiianer schnell lernten.

Sie stellten der Reihe nach neue Kleider her, den "Tagmuumuu" ähnlich, das waren die Kleidungsstücke, die aus einem vollständigen Stück Stoff geschnitten wurden. Das Handwerk "Nähen" brachten erst die Missionare mit.

Im 18. Jahrhundert. unterrichteten sehr wohl amerikanische Missionare die Herstellung von Patchworkdecken, wobei man große Stücke Stoff klein schnitt und sie wieder zusammennähte.   Das war für die hawaaiianischen Frauen äußerst unlogisch, aber die Methode des "Schneeflockenschnitts", hergebracht von den Missionaren, schien die Frauen anzuspornen und sie entwickelten daraus "ihre" Methode.

Während sie niemals ihre Arbeit auf die Schneeflocken bezogen haben konnten, weil sie ja keinen Schnee kannten, ähnelten ihre Designs doch sehr dieser Art des "Papierausschnitts", den Motiven die in der früheren Stempel-Färbung schon immer verwendet wurden.

Sie nahmen die Methode des Schneeflockenschnitts recht schnell auf, das Design aus einem zu einem Viertel  gefalteten Stoff zu schneiden und entwickelten eine großartige Fähigkeit für ein ausgeglichenes und symmetrisches Design.

Wichtig für das "Hawaiianische Quilting“ ist:

  • die Auswahl der beiden Stoffe
  • die Wahl des Designs - Schneeflockenmethode
  • Herstellen des Designs - in einem Schnitt
  • das Schattenquilten, - Quiltmuster dem Applikationsmotiv angepasst und gleichmäßig und harmonisch verteilt über den gesamten Quilt verteilt.

Immer entstanden Quilts in nur zwei Farben, recht stark kontrastierend.

Viele der frühen Hawaiianischen Quilts waren weiß/rot, da es am einfachsten war die rote Naturfarbe herzustellen.

Erst später kamen mehrere Farbkombinationen hinzu, wobei man heute noch bei der Herstellung nur zwei Farben bevorzugt, da die Zweifarbigkeit das eigentliche Design mit auffallender Klarheit betonen.

Die ersten hawaiianischen Quilts, da man fand, waren vermutlich das Feinste an Stoff und Verarbeitung, was von den frühen Missionaren mitgebracht wurde. 

Die Methode des hawaiianischen Applizierens und Quiltens (Echoquilting) erregte  nach Rückkehr der Missionare, in den USA großes Aufsehen, es war noch nicht in dieser Art bekannt.

Diese Art des Quiltings spiegelte die Natürlichkeit der Bevölkerung wider, es gefiel in der Art der natürlichen Richtung von Anmut und Bewegung.

Die schlängelnden, sanften Wellenlinien die der Form des angewandten Designs folgten, sahen aus wie die Wellen und Gezeiten, die ihre Inseln umgaben.

Man nimmt an, das die hawaiianischen Frauen, poetisch und Eins mit der Natur, diese Methode des Echoquiltens annahmen, um ihre Gefühle darin auszudrücken, anstatt bloß eine schöne Quilt-Technik zu gestalten.

Gefühle spielen bei der Entwickling des hawaiianischen Designs eine große Rolle.

Die Hawaiianer, mit ihrem speziellen Verhältniss zu ihrem Land, verstanden es, die Anmut und Sanftheit in ihre Quilts zu übertragen.

Die Fähigkeit ein ausgeglichenes, harmonisches Design zu erstellen, galt als ein Geschenk.

Es war ein Talent, das sorgfältig geschützt wurde.

Viele glaubten, das der Geist der Person, welche den Quilt entwirft und näht, ein wesentlicher Bestandteil der fertigen Arbeit anheimnahm und in vielfacher Art eine Richtung des Lebens wiedergab.

Das feuchte  Klima und die salzhaltige Luft hätte den Quilts schaden können, so wurden sie sorgsam gehütet, wie ein Schatz, aufbewahrt in Truhen und nur in der eigenen Familie.

Ohne weiteres und wichtige Gründe wurden sie auch nicht hervorgeholt und herumgezeigt.

Die Kunst der Quiltherstellung, also der hawaiianischen Applikation und Quiltens, galt als so kostbar, das es erst in der neuen Vergangenheit gestattet wurde, die Technik zu unterrichten.

Jetzt,  und nur in diesem Ansinnen, ist es dadurch möglich, die Kunst zu erhalten, seinen rechtmäßigen Platz sicherstellend, damit viele weltweit diese Art genießen können, die mit dem Scharfsinn und der Kreativität der Hawaiianer entstand.

Einen solchen Quilt zu  verschenken, bedeutete ein Stück von sich selbst wegzugeben. Dies war nur möglich unter nahen Verwandten und guten Freunden.

Die Designs jedes Quilts wurden sorgsam gehütet. Die Arbeit wurde nur im Haus des Quilters durchgeführt und auch nicht weit herumgezeigt.    Es entstanden sogar Lieder, die man in der Öffentlichkeit sang, um einen Angeklagten eines nicht autorisierten "Borgens" eines Musters zu züchtigen.

Die Designs wurden auf den schon gefalteten Stoff gezeichnet, sorgsam und fein  ausgeschitten und somit das Muster gleichzeitg vernichtet.             Autorisierter Gebrauch bedeutete normalerweise, daß ein Verwandter oder Freund sie nur in Form des fertigen Quilts besaß.

Diese Art von Musterschutz verursachten ein Auftauchen vieler verschiedener, neuer Designs, auch die Anwendung von mehr als zwei Farben trat ein.       Die Namen der Quilts waren häufig trügerisch. Leicht zu definieren waren die Muster, die nach Blumen und Blätter, Szenen und Gegenstände benannt wurden.

Aber, weil viele Quilts das Resultat eines emotionalen oder in hohem Grade persönlichen Ereignisses  aus dem Leben des Quilters waren,  verschwanden die Ähnlichkeiten zu den realen Motiven.

Auch die wörtliche, englische Übersetzung entfremdete den eigentlich wahren Namen und machte die Bedeutung und den Gefühlsausdruck desselben undeutlich.  Manchmal passte der Name, der große persönliche Bedeutung hatte, nur zum Entwerfer.

Den Namen zu entwerfen, galt als wichtige Einheit, denn er spiegelte das Eigene, das Innere, das Geheimnisvolle Gefühl oder Ereignis wider, ohne das fremde Menschen jemals davon erfahren könnten. Auch Namen mit Doppeldeutigkeit wurden gerne verwendet. Hawaiianische Applikation/Quilting wurde auch eingesetzt um Geschichten zu erzählen, – Wichtige Ereignisse beispielsweise wie die Geburt eines Königs, die neue Königin, die königlichen Symbole, das Finden von Perlen im hawaiianischen Meer, dies alles in ein Design gebracht und liebevoll von den hawaiianischen Frauen gequiltet.

Viele dieser Quilts wurden dann als Geschenke an die regierende Monarchie hergestellt- einige davon blieben glücklicherweise in Sammlungen vorhanden.  Solch ein Motiv zierte lange Zeit auch die Fahne des Landes.  Mit der Niederlage der Monarchie 1893 wurde die Hawaiianische Fahne eingeholt.

Seither sind Hawaiianische Quilts vorwiegend im häuslichen Gebrauch zu finden, meist als Bettüberwurf mit den Motiven die aus der Landesfahne stammen. 

Dem  Hawaianischen Quilting liegt also die geistige Verkörperung, die reiche Kreativität und Empfindlichkeit eines einzigartigen Volkes zugrunde.

Sie verlangt von uns außergewöhnliche Beachtung und persönliche Verehrung in unseren Gedanken und Gefühlen beim Herstellen eines solchen Quilts.  

9/2005 ©Ute Glück

Quellen:www.quiltshawaii.com      www.nvo.com/poakalani       www.fabrics.net/hawaiian.asp      www.kwiltsnkoa.com/    www.prqc.com/         www.quilthawaiian.com/   Bücher

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